Elbebadefest Dessau-Roßlau

Kino mit Elbe-Film

05. Juli 2007 – Manch ein Ort mag den Zuschauern bekannt vorkommen, einige Gesichter aus dem Stadtbild von Dessau vertraut. Kein Wunder: Mehrere Szenen des Films „Elbe”, den das Kiez zum Abschluss des Elbe-Bade-Fests direkt am Ufer des Flusses zeigt, wurden im Leopoldshafen und auf der Elbe bei Dessau gedreht.

Ein Zufall ist das nicht. Denn Drehbuchautor Holger Nickel stammt aus Dessau, ist unweit der Elbe aufgewachsen. Er kennt den Fluss, der in seinem ersten Filme „Elbe” zum dritten Hauptdarsteller wird und in dem die Geschichte zweier Männer erzählt wird, die seit 20 Jahren gemeinsam unterwegs sind: der nervöse, drahtige Kowsky (Henning Peker) und der in sich gekehrte, stämmige Gero (Tom Jahn). Sie sind die Elbe hoch und runter gefahren, als Schiffer auf einem Schubschiff.

So hätte es weitergehen können für die beiden. Noch einmal zwanzig Jahre. Sie hatten sich gewöhnt aneinander. An den Fluss sowieso. Die Küdigung trifft sie völlig unerwartet.

In Dresden wartet niemand auf sie. Von Geros einstiger Beziehung ist eine Tochter geblieben, die er nie gesehen hat und von der er glaubt, dass sie einmal nach Australien wolle, um Ayers Rock zu besuchen. Kowsky muss feststellen, dass Frau und Sohn sich bestens in ein Leben ohne ihn eingerichtet haben.

Während Kowsky säuft und das Geld verspielt, versucht Gero, Segelbootfahrten für Verliebte anzubieten. Das Geschäft läuft nicht, und Kowsky, der sich finanziell beteiligt hat, zahlt die Raten nicht. Das Boot soll beschlagnahmt werden. Bevor es dazu kommt, macht Gero die Leinen los. Er ist wieder unterwegs. Ohne Kowsky. Bis es dem gelingt, Gero mit erlogenen Jobaussichten davon zu überzeugen, ihn doch besser an Bord zu nehmen. Sie kommen nicht los von der Elbe.

„Elbe” ist kein Film über Arbeitslosigkeit, kein ostdeutsches Sittengemälde. Es ist ein Film über Menschen, die sich seit Jahrzehnten kennen und doch nichts voneinander wissen. Man hat miteinander gearbeitet, das musste reichen.

Auf dem Segelboot fehlen die eingeübten Handlungsabläufe und Handgriffe. Die beiden Männer sind plötzlich einander ausgesetzt und müssen sich in ihrer Gegensätzlichkeit einander aushalten. Nur zögernd und widerwillig geben sie zu erkennen, dass jeder ein Leben auf dem Festland geführt hat, nur eben kein sehr erfolgreiches.

Kowsky bleibt der ziellos Getriebene, der sich mit Gaunereien über Wasser zu halten sucht, Gero sucht Halt. Er findet einen Job in einem Gemüseladen, verliebt sich in die Verkäuferin (Stefanie Kühnert). Die vorsichtige Annäherung der beiden wird von zum Aufbruch drängenden Kowsky unterbunden.

Ihre Reise, von der beide wissen, dass sie kein Ziel hat, müssen sie wenige später in einem geklauten Ruderboot fortsetzen, nachdem die Polizei ihr Segelboot beschlagnahmt hat. Noch einmal versucht Kowsky, dem Glück nachzuhelfen. Bis ein Schuss fällt.

Zwei Männer im Ruderboot
Treiben ihrem Schicksal entgegen: Gero und Kowsky.